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Schwäbische Zeitung vom 22.10.2015

Brigitte Scheiffele

 

Neuer Blick auf die Heimat

Nach fünf Jahren im afrikanischen Uganda kehren die Laichinger Eheleute Hiller zurück nach Laichingen

Einfach und bescheiden war das Leben in Uganda, Monika Hiller (Mitte) unterrichtete in den vergangenen Jahren beispielsweise 51 Backgruppen.moni

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Manfred Hiller half dabei, 55 Backöfen zu bauen. Zurück in Deutschland freute er sich vor allem auf das abwechslungsreiche Essen.mani

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Laichingen sz Schon immer hat Monika Hiller der Missionsgedanke beschäftigt und Afrika stand ganz oben auf ihrer Wunschliste. Vor fünf Jahren ließ sie sich gemeinsam mit ihrem Mann Manfred auf das Abenteuer Uganda ein. Sichere Arbeitsplätze wurden aufgegeben, das Haus vermietet, das neue Leben beginnt mit einem Englischkurs. Jetzt sind die Muzeos, in Afrika die „alten Weisen“, wieder in Laichingen und suchen den Anschluss an ihr altes Leben: Reich an Erinnerungen und im Bewusstsein einer prägenden Erfahrung, die den Lebensentwurf dieses Paares verändert hat.

Die Sonne scheint, als Monika und Manfred Hiller vor fünf Wochen nach einem fünfjährigen Aufenthalt in Uganda nach Laichingen zurückkehren. Tagsüber ist es noch warm, die Abende empfinden sie als besonders kalt: Zwischen 24 und 26 Grad sind sie gewohnt, dazu die bunten Kleiderfarben der Afrikaner und immer lachende Gesichter. Die Heimat zeigt sich indes in Grautönen. Nur wenig Zeit blieb ihnen in den letzten Tagen vor ihrer Rückkehr von Luwero nach Deutschland zum Nachdenken: Vieles war zu organisieren, Freunde und Bekannte kamen zum Abschied, der Trubel war enorm, die Rückreise anstrengend.

Dem Ehepaar graut es beim Gedanken an den Wohlstand

Zuhause warteten Familie, Freunde und das frühere Leben. „Mein erster Gedanke an Deutschland galt abwechslungsreichem Essen, einem Spaziergang am Abend, Ruhe im Haus ohne unangemeldete Besuche“, sagt Manfred Hiller. Beiden graute es vor dem totalen Wohlstand, der in der Heimat als so selbstverständlich angesehen wird. Fünf Jahre lebte das Paar nur mit den unbedingt notwendigen Dingen. Frühstück gab es nach Sonnenaufgang um 7 Uhr und Abendessen um 7 Uhr nach Sonnenuntergang. „Der Tag hatte zwölf Stunden, dann war es stockfinster. Da lief man nicht noch spazieren.“ Auch die Ernährung war einfach: Reis, Kartoffeln, Tomaten, Spinat und auch die Manjok-Wurzel standen meistens auf dem Speiseplan. Dazu viel Obst und natürlich das ein oder andere Produkt aus der aufgebauten Bäckerei. In den Dörfern gebe es fast niemals Fleisch, meistens Maisbrei, erzählt Manfred Hiller. Rind, Huhn und Fisch seien ohnehin eher selten zu haben. „Geschmacklich sind die Menschen weniger anspruchsvoll, wichtig ist ihnen ein voller Magen.“

Als Handwerker und Friseurmeisterin passten sich die beiden den Gegebenheiten vor Ort an, bauten eine kleine Bäckerei, gaben Backkurse, verhalfen Menschen zu eigenen Kleinbetrieben. Manfred Hiller baute Öfen und gab seine Kenntnisse weiter, entwickelte Backhauben, um im heißen Sand zu backen, experimentierte mit Sonnenenergie, scheiterte aber auch aufgrund der vielen Wolken. Monika Hiller unterrichtete im Backen und in der Kalkulation. Am Ende begleiteten sie 35 Kleinhändler, darunter auch einen Elektro- und einen Kleidershop. Hinzu kommen einige Gelegenheitsbäcker die den Sandofen nutzen. Insgesamt haben die Laichinger Eheleute 55 Backöfen gebaut, überwiegend für Frauengruppen, aber auch für Schulen, die jetzt das Catering unterrichten.

Durch den engen Kontakt zu den Menschen erfährt Monika Hiller in ihren Einsätzen quer über Land vom Schicksal vieler Familien. Leid und Elend gehören zum Tagesablauf. Aber auch die Akzeptanz der Kultur, der Lebensgewohnheiten und der menschlichen Eigenarten muss gelernt werden. Hierzu können beide eindrückliche Geschichten erzählen.

Eheleute sammeln Spenden für HIV-Waisen

Allein in den vergangenen zwei Jahren unterrichtet Monika Hiller 51Backgruppen und fährt dafür 30000 Kilometer. Gemeinsam gründet das Paar schließlich den Verein Fredmon, der kinderreiche Familien in höchster unterstützen soll. So stirbt ein Vater von acht Kindern und hinterlässt eine mittellose Familie oder auch in absehbarer Zeit eine HIV-infizierte Mutter von fünf Kindern. Hillers bitten in Deutschland um Spenden, damit wenigstens das Schulgeld von zehn Euro im Monat für die Waisen finanziert werden kann. Zur Kontrolle und auch Unterstützung haben sie hierfür eine Kontaktperson vor Ort angestellt.

Luxus berührt Eheleute unangenehm

„Wo fängt man an, wo hört man auf mit dem Erzählen“, fragen sich die beiden, die fünf Jahre nicht in wenige Sätze packen können. Anzumerken ist ihnen die Irritation über die Heimat, auf die sie mit neuem Blick schauen. Ihre erste Aktion: Aussortieren, sich von Unnötigem trennen, sie wissen, mit wie wenig Dingen sie sich zurechtfinden können. Viel zu groß erscheint ihnen ihr Haus und der augenscheinliche Luxus vor Ort berührt sie beinahe unangenehm.

Im November wird Manfred Hiller wieder an seinem ehemaligen Arbeitsplatz tätig sein, Monika Hiller will sich beruflich verändern und in sozialer Weise einbringen. Dafür sucht sie noch eine Stelle. Wie es ihnen geht, nicht mehr Museo (alt und weise) zu sein, wird ebenso eine neue Erfahrung: Auch das Alter habe in Deutschland einen anderen Wert.

Über ihren Aufenthalt in Uganda berichten Monika und Manfred Hiller am Donnerstag, 5. November, in Albanplus. Beginn ist um 19.30 Uhr.

 

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